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Deutsche Handwerks Zeitung
Festakt 20 Jahre Wiedervereinigung des deutschen Handwerks 5

Festakt 20 Jahre Wiedervereinigung des deutschen Handwerks in Zwickau

„Ein Handwerk – eine Stimme“ unter diesem Motto hat das deutsche Handwerk am 8. Juli in Zwickau 20 Jahre Wiedervereinigung gefeiert. Im festlichen „Ballhaus Neue Welt“ erinnerte der thüringische Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel in seiner Festrede an die abenteuerlichen Ausgangsbedingungen: „Die DDR war bankrott“. Das wirtschaftliche Desaster, das sich in den ersten Monaten und Jahren der Einheit auftat, sei allerdings nicht die Folge der Wiedervereinigung gewesen, sondern vielmehr die Folge der Teilung. Und der Umbau vom Sozialismus zur freien Marktwirtschaft sei schwieriger gewesen, als der Neustart der BRD nach dem zweiten Weltkrieg. „Ein Umbau ist immer schwieriger, als ein Neubau! Das geht nicht ohne Schmerzen oder Narben“.

Von Anfang an aber sei es das Handwerk gewesen, das sich vereinigen wollte. Die Handwerker wollten z. B. unbedingt die Vorgaben der Handwerksordnung West übernehmen und auf gar keinen Fall eine eigene Ostordnung entwickeln. „Das Handwerk war Vorreiter in der Überwindung der Teilung“, so Vogel.

Gefordert waren hier natürlich die an die neuen Länder angrenzenden Kammern. Eine herausragende Rolle übernahmen dabei die Verantwortlichen der Handwerkskammer für Oberfranken. Hauptgeschäftsführer Horst Eggers, einer der Zeitzeugen:. „Am Grenzübergang bei Hof wirkte die Grenzöffnung genauso, als ob man einen Stöpsel aus einer Badewanne zieht und damit erreicht, dass das gesamte Wasser in eine Richtung abfließt. So kam es damals zu einem unglaublichen Ansturm der DDR-Bürger auf Oberfranken und der DDR-Handwerker zur Handwerkskammer für Oberfranken. Wir waren vom ersten Tag an in einer Weise gefordert, wie das heute kaum mehr vorstellbar ist. Täglich standen Hunderte von Handwerkern aus der DDR in und vor unserer Kammer und wollten Rat und Hilfe.“.

Dabei war von Anfang an klar, dass der beste Wille und das entsprechende Know-how für die gewünschte Hilfe nicht ausreichen, wenn keine staatlichen Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Es waren nicht zuletzt die energischen Interventionen der Handwerkskammer für Oberfranken in Bonn, die damals dafür gesorgt haben, dass ab März 1990 vom Bundesminister für Wirtschaft und vom Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, aber auch vom Bayerischen Wirtschaftsministerium Mittel zur Soforthilfe in der damaligen DDR bereit gestellt worden sind. Die haushaltsrechtlichen Bedenken bei der Verwendung von Bundesmitteln außerhalb des damaligen Bundesgebietes konnten, so Eggers, nur durch die Idee der sogenannten „Treuhandkammer“ aus dem Wege geräumt werden. Ein historischer Termin für das deutsche Handwerk war dann der 21. Juni 1990. Organisiert vom ZDH, der Handwerkskammer Chemnitz und der Handwerkskammer für Oberfranken fand damals die erste gemeinsame Großkundgebung des Deutschen Handwerks aus Ost und West in Zwickau statt. Das deutsche Handwerk war der erste große Wirtschaftsbereich, der noch vor der offiziellen Wiedervereinigung Deutschlands in einer eindrucksvollen Feierstunde seine Wiedervereinigung vollzog. Mehr als 5.000 Handwerker aus allen Teilen Deutschlands und der DDR kamen damals nach Zwickau, der Großteil von ihnen verfolgte die Wiedervereinigung des deutschen Handwerks über Lautsprecher vor dem Ballhaus Neue Welt in Zwickau. Damals wurde - immerhin gab es noch die DDR - von den 5.000 Handwerkern aus Ost und West die Deutsche Nationalhymne gesungen. Und genau damit, mit dem Gesang der Nationalhymne, endete die bewegende Festveranstaltung „Ein Handwerk - eine Stimme“ 20 Jahre Wiedervereinigung im deutschen Handwerk. Die Bilanz von Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks: „Der Auftrag von 1990 ist erfüllt. Das Handwerk in Ost und West spricht mit einer Stimme“.

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