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Bilanz 2009 - Ausblick 2010

Präsident Thomas Zimmer

Vor wenigen Tagen haben wir unseren jüngsten Konjunkturbericht für das IV. Quartal veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass sich das Handwerk in der aktuellen Finanzkrise weiterhin recht robust und stabil zeigt. Die Betriebe mussten zuletzt zwar witterungs- und saisonbedingt eine Abschwächung in Kauf nehmen. Diese bewegt sich aber im saisonüblichen Rahmen. Aktuell beurteilen 24% der oberfränkischen Handwerksbetriebe die Lage als gut, 47,5% als befriedigend und 28,5% als schlecht. Dies ist die drittbeste Bewertung eines IV. Quartals in den letzten 10 Jahren.

Nicht übersehen dürfen wir dabei allerdings die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Handwerkszweigen. Am günstigsten wird die Lage weiterhin im größten Handwerkszweig, dem Ausbaugewerbe, eingestuft. 38,5% beurteilen in diesem Zweig die aktuelle Geschäftslage als gut, weitere 41,5% als befriedigend (zusammen: 80%). Auch die Nahrungsmittelhandwerke berichten von einem zufriedenstellenden Weihnachtsgeschäft. Nicht ganz so gut, aber besser als in den letzten beiden Vorjahren wird die Lage im Baugewerbe eingestuft.
Sehr viel schwieriger dagegen stellt sich das aktuelle Konjunkturgeschehen im Zuliefersektor und bei den Gesundheitshandwerken dar. Im Zuliefersektor ist keine Entspannung in Sicht. Auch im Gesundheitshandwerk, also bei Augenoptikern, Zahntechnikern und Orthopädietechnikern, hat sich die Geschäftslage zuletzt verschlechtert. Im Kfz-Handwerk trübt sich die Geschäftslage nach dem Auslaufen der Abwrackprämie momentan erwartungsgemäß ein. Vor Jahresfrist und damit vor dem Anlaufen der Prämie wurde die Lage allerdings noch deutlich ungünstiger eingestuft.

Summa summarum präsentiert sich das Handwerk angesichts der Finanzkrise und deren Folgen für die Realwirtschaft weiterhin überraschend stabil. Angesichts von Umsatzeinbrüchen in Größenordnungen von 30 - 50% gestalten sich die Umsatzrückgänge in unserem Wirtschaftsbereich mit -2,9% durchaus als bescheiden. In 2009 belief sich der Jahresumsatz des oberfränkischen Handwerks auf 8,5 Mrd. EUR.
Gerade 2009 wurde so richtig deutlich, speziell auch bei uns in Oberfranken, welche Bedeutung unsere Wirtschaftsgruppe für die Stabilität der Arbeits- und Ausbildungsplatzsituation einnimmt. Geholfen haben uns dabei auch die Konjunkturprogramme der Bundesregierung. Sie stabilisieren vor allem die Binnenkonjunktur und den Arbeitsmarkt. Nicht auszudenken wäre es, wenn diese Maßnahmen nicht gegriffen hätten. Sie haben Panik verhindert und die Kaufkraft am Binnenmarkt gestärkt.
Die Folge sind vergleichsweise stabile Beschäftigungszahlen, auch bei uns im oberfränkischen Handwerk. Sie gingen im vergangenen Jahr moderat um 900 Stellen oder 1,1% auf nunmehr 78.000 Beschäftigte zurück. Ein Großteil davon ist allerdings dem Rückgang bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen geschuldet.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unser Pressegespräch von letztem Jahr. Angesichts der demographischen Entwicklung haben wir bereits seinerzeit angekündigt, dass es zusehends schwieriger wird, Ausbildungsstellen zu besetzen. Dies hat sich 2009 erstmals bewahrheitet. Binnen Jahresfrist ist die Zahl der neu eingetragenen Lehrverhältnisse von 3.102 um 285 auf 2.817 Lehrverträge gesunken (-9,2%). Insgesamt werden momentan vom oberfränkischen Handwerk 7.276 junge Menschen ausgebildet (Vorjahr: 7.414).
Allein diese Zahlen belegen, dass bereits 2009 der demographische Wandel voll auf den Ausbildungsmarkt durchgeschlagen hat. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken. Verantwortlich dafür sind rückläufige Schülerabgangszahlen an den Hauptschulen (- 8% in Oberfranken) ebenso wie rückläufige Bewerberzahlen aus den Neuen Bundesländern, das Fehlen von sog. „Altbewerbern" sowie der zunehmende Trend zum Besuch der Fachoberschule nach dem erfolgreichen Abschluss der Realschule.
Dieser Trend trifft nicht nur das oberfränkische Handwerk. Die Vergleichszahlen auf Bayern-Ebene (-8,4%) fallen ähnlich aus. In Industrie und Handel ist der Rückgang sogar noch stärker ausgefallen (-11,7% in Oberfranken).
Diese Entwicklung wird sich auch 2010 fortsetzen. Wir gehen von einem weiteren, wenn auch verlangsamten Rückgang der neu abgeschlossenen Lehrverträge aus. Wir rechnen hier mit einem Rückgang um weitere 6% auf ca. 2.650 neue Lehrverträge. Damit verbunden ist ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen um 300 bis 500 Stellen. Auch die Folgen der Finanzkrise werden sich hier noch niederschlagen.
Dies macht deutlich, dass der Wettbewerb um die Nachwuchskräfte massiv zunimmt. Unter diesem Blickwinkel wird so richtig deutlich, warum gerade jetzt unsere Imagekampagne, die wir Ihnen heute Abend noch im Einzelnen vorstellen werden, geradezu überlebensnotwendig ist.
Und wie sind unsere Erwartungen für 2010? Vorsichtig zurückhaltend. Sicherlich, wir rechnen nicht mit einem massiven Einbruch. Zeitgleich wissen wir auch, dass es kein leichtes Jahr werden wird. Die Folgen der Finanzkrise für die Realwirtschaft sind noch nicht überwunden. Wachstum wird sich nur langsam generieren. Der Sachverständigenrat prognostiziert 2010 ein reales BIP-Wachstum von 1,6%.
Im Handwerk ruhen unsere Hoffnungen vor allem auf dem Ausbaugewerbe. Auch die Konjunkturpakete werden die öffentliche Bautätigkeit beleben. Nicht übersehen dürfen wir dabei allerdings im Gegenzug die Haushaltsengpässe bei der öffentlichen Hand, ganz gleich ob bei Bund, Land oder Kommunen.
Impulse erwarten wir uns auch von weiteren energetischen Sanierungsmaßnahmen, insbesondere bei den privaten Haushalten, aber auch der öffentlichen Hand.
Auch bei den Zulieferbetrieben rechnen wir mit einer leichten Ausweitung der Umsätze, allerdings von einem niedrigen Niveau aus.
Dem Kfz-Handwerk steht allerdings ein schweres Jahr bevor. Nach dem Ende der Abwrackprämie wird die Nachfrage natürlich sinken.
Grundsätzlich muss es das Ziel sein, die Arbeitslosigkeit so gering wie möglich zu halten. Dazu brauchen wir vor allem eine stabile private Nachfrage und Investitionen der öffentlichen Hand. Dies wäre der beste Stabilisator für den Binnenmarkt generell, aber auch für die Finanzierung unserer Sozialsysteme.
Damit wird deutlich, wir wichtig die politischen Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung sind. Dazu übergebe ich jetzt an unseren Hauptgeschäftsführer, der Ihnen nun unsere konkreten Vorstellungen hierzu erläutern wird.
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