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Wirtschaftliche Grundordnung Deutschlands vermitteln

Bayreuth – Arpad Csabay aus Rumänien ist evangelischer Pfarrer, möchte aber künftig in seiner Heimat als Biobauer tätig werden. Über das evangelisch begründete Netzwerk „Initiative e.V.“ konnte er jetzt vier Wochen lang eine Art Praktikum auf einem Biobetrieb in Deutschland machen. Zum Ende des Projektes zog der 35-Jährige bei einer Abschlussveranstaltung an der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth die Bilanz: „Die vier Wochen haben sich absolut gelohnt.“ Nicht nur der hohe Anspruch, der in Deutschland an eine biologische Landbewirtschaftung gestellt werde, auch das hohe Maß an Qualität und die professionelle Vermarktung hätten ihn sehr beeindruckt.

Insgesamt waren es diesmal 16 Hospitanten aus Rumänien, Lettland, der Ukraine, Ungarn, Tschechien, Polen und Russland, die jeweils vier Wochen lang bei einem Gastbetrieb hinter die Kulissen blicken durften. Mit dem Ziel, für das eigene Unternehmen in Osteuropa zu lernen, bekamen sie Gelegenheit in Deutschland an Firmenprojekten mitzuarbeiten und konnten erfahren, wie hierzulande ein Unternehmen geführt wird, wie es organisiert ist, wie die Arbeitsabläufe oder das Marketing aussehen und wie die Preise kalkuliert werden.

„Wir veranstalten diese Hospitanzen seit mittlerweile zwölf Jahren und konnten insgesamt bereits 165 Hospitanten die wirtschaftliche Grundordnung Deutschlands nahe bringen“, sagte Dr. Eckhard Weber, ehrenamtlicher Vorstand der „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas“. Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten war in den zurückliegenden Jahren immer wieder die Handwerkskammer in Bayreuth. Dort fand auch diesmal das Einführungs- und Schlussseminar statt, während die eigentlichen Betriebspraktika auf Unternehmen in ganz Deutschland verteilt sind.

Nikolai Schischkin, der in seiner Heimat, der Ukraine im Druckgewerbe tätig ist, bekam beispielsweise die Gelegenheit, bei einer Druckerei in Rothenburg ob der Tauber zu hospitieren. Ihm war es in erster Linie darauf angekommen, etwas über die Organisation und die Abläufe von Geschäftsprozessen zu erfahren, sowie die Gesetze der Preisbildung und der Kalkulation kennen zu lernen. Auf dem Gelernten aufbauend will er nun seine eigene Druckerei ausbauen und dabei seine neu gewonnenen Kontakte zu Deutschland nutzen.

Das hat auch Attila Szentpeteri vor. Der ungarische Winzer durfte vier Wochen lang auf einem Weingut in Nierstein tätig sein und dabei nicht nur die Grundzüge eines gelungenen Marketings kennen lernen, sondern auch das Qualitätsmanagement, das im deutschen Weinbau extrem wichtig ist. Szentpeteri will seine Kontakte nutzen, um in Ungarn eine Kette für Sekt- und Weinexport aufzubauen. Außerdem habe er durch das Praktikum auch seine Deutschkenntnisse verbessern können.

In Bayreuth erfuhren die Praktikanten aber auch wichtige Eckdaten zur Wirtschaftsgruppe Handwerk. „Wir haben derzeit eine konjunkturelle Situation, wie wir sie uns besser nicht wünschen könnten“, sagte Koller. Die internationale Bankenkrise bereite zwar Sorgen, doch Auswirkungen davon seien bislang im oberfränkischen Handwerk nicht zu spüren. Große Hoffnungen setze die Wirtschaftsgruppe Handwerk auf die sogenannte Energiewende, allerdings dürften die Kosten dafür nicht zum Konjunkturkiller werden.

Die Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas wurde 1996 von Repräsentanten aus Kirche, Politik und Wirtschaft gegründet. Unter anderem gehört der langjährige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zu den Gründungsmitgliedern. Ziel war und ist es, das freie Unternehmertum in den Staaten Mittel- und Osteuropas zu fördern und mafiösen Strukturen keine Chance zu geben. Neben der Durchführung der Hospitanzen vergibt die Initiative auch alljährlich einen Gründerpreis, bei dem nicht selten ehemalige Teilnehmer des Programms für eine erfolgreiche Betriebsgründung geehrt werden.

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