Jungmeisterfeier 2011
Das Lernen, die viele Zeit, die sie investiert haben, bei vielen sogar zusätzlich zum Job in ihrem Betrieb, das Zittern vor der Prüfung hat sich für sie gelohnt: 447 Handwerkerinnen und Handwerker haben am 12. November in der Sinfonie an der Pegnitz ihren Meisterbrief erhalten.
Friseurmeisterin Eva Pfahlmann sprach in ihrer Dankansprache ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Seele: „Eine schweißtreibende, anstrengende, nervenzerreißende Zeit geht zu Ende, die nicht nur für uns, sondern auch für unsere Familien, unsere Freunde und Lehrer keine leichte Zeit war. Trotzdem: die Zeit bis zur Meisterprüfung möchte keiner von uns missen. Sie hat uns in unserer Entwicklung als Mensch ein ganzes Stück voran gebracht hat. Jetzt sind wir fertige Meister und können es wahrscheinlich selbst noch nicht fassen. Ich freue mich auf das, was kommt.“
Staatssekretärin Melanie Huml hatte in ihrer Festrede drei zentrale Botschaften für die neuen Meister mitgebracht.
Erstens: Sie haben viel erreicht, wir sind stolz auf Sie. Seien Sie aber auch selbst stolz auf das, was Sie geschafft haben, und zeigen Sie das. Ihnen steht buchstäblich die Welt offen.
Zweitens: Wir brauchen Sie. Die Imagekampagne des deutschen Handwerks zeigt deutlich auf, wie wichtig das Handwerk für uns ist. Wir brauchen Sie als Leistungsträger für den Mittelstand. Und auch für das Gelingen der Energiewende, die ohne das Handwerk nicht möglich ist.
Und drittens: Sie sind Vorbilder für alle jungen Menschen. Anpacken, was durch ziehen, wissen, was man will, Bereitschaft, sich weiter zu qualifizieren, gesunder Ehrgeiz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: das sind Eigenschaften, die Sie haben und die viele unserer Jugend nicht zutrauen. Huml zitierte abschließend Marius Mueller Westernhagen: „Freiheit, Freiheit ist das einzige was zählt“. Sie, so Huml „haben mit dem Meisterbrief auch Freiheit und Unabhängigkeit gewonnen. Der Meisterbrief ist eines der sichersten Wertpapiere in diesen Zeiten. Er ist Ihre Eintrittskarte für ein freies und selbstbestimmtes Leben.“
HWK- Präsident Thomas Zimmer bezeichnete die Meister als neue Aushängeschilder des Handwerks, auch für die Imagekampagne des deutschen Handwerks. .Die bundesweite Imagekampagne läuft sehr erfolgreich, so Zimmer. „Wie wäre sonst der großartige Einstand des Handwerks bei der aktuellen Umfrage des Institut Allensbach zum Thema „Berufswertigkeit“ zu erklären. Zum ersten Mal wurde in dieser Untersuchung nach dem Ansehen des Handwerks in der Bevölkerung gefragt. Aus dem Stand schaffte es das Handwerk auf den vierten Platz und ließ Ingenieure, Professoren, Rechtsanwälte, aber auch Politiker, Banker und Fernsehmoderatoren deutlich hinter sich. Ein Bombenergebnis, so Zimmer, das zeigt: „Handwerker genießen in Deutschland ein hohes Ansehen“.
Und an alle anwesenden Meisterinnen und Meister gewandt: „Das, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ist Ihr Erfolg! Ja Ihr Erfolg! Unsere Kampagne zeigt Wirkung. Wir haben die richtige Botschaft zur rechten Zeit. Gerade in unsicheren Zeiten schätzen Menschen eine Kultur der Solidität. Und diese Kultur der Solidität verkörpert niemand besser als das Handwerk. Gerade in den stürmischen Zeiten der Finanzkrise ist das Handwerk ein verlässlicher Fels in der Brandung. Wir Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister wissen, dass derjenige, der den Nutzen hat, auch für etwaigen Schaden aufkommen muss. Es kann doch nicht sein, dass Menschen durch ihr Tun oder Unterlassen ihren Betrieben und der Gesellschaft großen Schaden zufügen, ohne sich dafür verantworten zu müssen. Im Gegenteil, manche Manager zeigen sich nach nur wenigen Monaten als völlig unfähig und kassieren dafür oft noch Boni und Abfindungszahlungen in sittenwidrige Höhe. Das ist für mich und auch für viele andere redlich arbeitende Menschen in unserem Lande schlichtweg unerträglich!
Wir Handwerksunternehmer tragen dagegen das volle Risiko für unser Tun. Wir haften und das meist mit allem, was wir haben. Für uns ist es selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen. Für unseren Betrieb und für unsere Mitarbeiter. Wir machen uns nicht „vom Acker“, wenn es einmal dick kommt. Wir stehen das durch.“
Und Hauptgeschäftsführer Thomas Koller ergänzte dazu in seinem Schlusswort „Zwischen all den Krisenherden und unter dem Eindruck der Staatsschuldenkrise steht unsere Wirtschaftsgruppe Handwerk für Bodenständigkeit, Verantwortungskultur und Stabilität. Die Finanzmärkte fördern derzeit das zu Tage, was immer wieder gerne verdrängt wird: Die Notwendigkeit solider Haushalte und den Mut zu unpopulären Maßnahmen. Unsere Unternehmen würden bei ähnlicher Verschuldung längst ein Sanierungsverfahren durchlaufen, weil die Kapitalgeber weniger geduldig gewesen wären. Dies muss bei den Staaten jetzt nachgeholt werden: Risiko und Haftung gehören eben auch hier zusammen.
Einen klaren politischen Kurs brauchen wir aber auch in der Energiewende. Mit der Aufstockung der Kfw-Programme wurde ein deutliches Zeichen gesetzt. Dass allerdings die Bundesländer die vorgesehenen Abschreibungsmöglichkeiten verweigert haben, ist für uns völlig unverständlich. Und wir hoffen, dass nunmehr wenigstens im Vermittlungsausschuss möglichst schnell Einvernehmen über ein Abschreibungsmodell zur Stärkung energetischer Modernisierungsmaßnahmen erzielt wird.“
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Seite aktualisiert am 22. Dezember 2011, online seit 14. November 2011
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