KFZ-Service-Engineering - Arbeitnehmervertreter tauchen in die Welt der neuen technischen Dienstleistungen ein
Gesellenseminar 2010
Es war auch für Vizepräsident Karl-Peter Wittig ein besonderes Ereignis als er die Arbeitnehmervertreter in der Vollversammlung und im Berufsbildungsausschuss zum traditionellen Gesellenseminar am 29. Januar in der Universität Bayreuth begrüßen konnte. Denn er persönlich stand erstmals auf dem Boden einer Universität. Anlass für diesen außergewöhnlichen Besuch war das Projekt „KFZ-Service-Engineering 2020", das die HWK gemeinsam mit dem Lehrstuhl „Umweltgerechte Produktionstechnik" an der Universität Bayreuth und der Fraunhofer Projektgruppe Prozessinnovationen in den nächsten Jahren durchführen wird. Prof. Dr. Rolf Steinhilper, der fachliche Koordinator und Leiter dieses Projektes, verstand es in seiner unnachahmlichen Art, alle Gesellenvertreter in seinen Bann zu ziehen. Eindrucksvoll zeigte er auf, wie sich die Anforderungen und Aufgaben im Kfz-Service in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben. Beispiel „Servo-Lenkung": Mit der Weiterentwicklung der Zahnstangenlenkung über die hydraulische und elektrische Servolenkung bis hin zu den heutigen „Steer-by-wire"-Systemen haben sich sowohl die Anzahl der mechatronischen Systeme als auch die Kosten mehrfach vervielfältigt. Gleiches gilt für viele weitere Kfz-Komponenten. Da liegt es nahe, diese Komponenten nicht mehr als Ganzes auszutauschen, sondern einzelne Teilsegmente zu reparieren und wieder einzubauen. Diese Refabrikation ausgefallener Komponenten bietet sowohl Kunden als auch Handwerksbetrieben Vorteile. Den Kunden durch Senkung der Kosten für die Austauschkomponenten, den Handwerksbetrieben durch höhere Wertschöpfung über eine höhere Arbeitsleistung in den Werkstätten. Weitere vielversprechende Ansatzpunkte ergeben sich durch die Umrüstung von Fahrzeugen auf energieeffizientere Systeme oder die Online-Diagnose von der Werkstatt aus zum liegengebliebenen Fahrzeug bei einer Autopanne auf freier Strecke. In den nächsten vier Jahren werden dazu die Forscher der Universität Bayreuth und der Fraunhofer Projektgruppe gemeinsam mit der HWK für Oberfranken an diesem vielversprechenden Projekt arbeiten. Im Rahmen des Bayern FIT - Programmes „Forschung, Innovation und Technologie" hat die HWK als einzige Nicht-Forschungseinrichtung den Zuschlag für dieses Projekt erhalten. Alle Gesellenvertreter zeigten sich sichtlich beeindruckt von diesem Projekt und den damit verbundenen neuen Marktchancen für das Handwerk.
Es gehört zum Selbstverständnis der HWK, so stellv. Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, stets eine Vorreiterrolle zur Bewältigung der betrieblichen Zukunftsaufgaben einzunehmen: „Deshalb bin ich überzeugt, dass sich dieses Projekt nahtlos in die Reihe der erfolgreichen Projekte unserer Kammer einreihen wird". In seinem Beitrag gab er einen Einblick in die aktuelle Kammerarbeit. Besonders die erfolgreichen Auftaktveranstaltungen zur Imagekampagne haben uns gezeigt, so Koller, dass mit dieser bundesweiten Aktion das Handwerk tatsächlich gestärkt wird.
Mit den Maestro-Handwerkermärkten in Bayreuth, Hof, Coburg und Bamberg oder mit den bewährten Infoabenden für eine erfolgreiche Betriebsführung bietet die Kammer auch in diesem Jahr den Mitgliedsbetrieben einen umfassenden Service.
Angesichts des demographischen Wandels wird es zusehends schwieriger, auch künftig noch genügend Nachwuchskräfte für sich gewinnen zu können. Jendrik Scholz von der IG-Bauen-Agrar-Umwelt zeigte deshalb auf, vor welchen Herausforderungen die berufliche Bildung in Deutschland steht. Um auch langfristig seinen Nachwuchs sichern zu können, zeigte sich Scholz überzeugt, kommt der Qualität der Ausbildung und einer sachgerechten Vergütung eine herausragende Rolle zu.