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Zukunft Handwerk innovative Konzepte

Zukunftsforscher Thomas Huber, Zukunftsinstitut Wien: gute Chancen für das Handwerk

Was wollen die Kunden in Zukunft vom Handwerk? Dem einen oder anderen Handwerksmeister im überfüllten Vortragssaal der Firma Salzbrenner Stag Tec Buttenheim dürften die Ohren geklungen haben bei dem, was ihnen der Wiener Zukunftsforscher Thomas Huber da prophezeite. Negativ ausgedrückt: es bleibt kein Stein auf dem anderen, die Bedürfnisse des Kunden ändern sich permanent, in die klassischen Schubladen lässt sich der Kunde von morgen nicht mehr stecken. Doch Huber, der im Rahmen der von der Handwerkskammer veranstalteten Vortragsreihe „Neue Wege - Neue Welten" referierte, machte Mut und zeigte die Chancen auf, die sich in den kommenden Jahren für das Handwerk ergeben. Seine Grundthese: gerade das Handwerk mit seiner großen Nähe zum Kunden kann auf die gesellschaftlichen Veränderungen besonders gut reagieren. Vor allem auf die demografische Entwicklung, Stichwort alternde Gesellschaft, und den Trend zu einer immer individuelleren Lebensweise.

Megatrends Individualisierung und Informationsüberflutung

Die Grundbedürfnisse des Kunden sind immer gleich, so Huber. Hinter der konkreten Kaufentscheidung für ein Produkt stehen die Bedürfnisse, Suche nach Unterstützung, Entspannung, Sinn und Wert, Erlebnis und Horizonterweiterung. Diese Bedürfnisse verschieben sich immer wieder, derzeit betrachten wir einen starken Trend zur Individualisierung. Weil jeder immer mehr Wert auf Individualität legt, haben es Produkte von der Stange immer schwerer. Zugespitzt ausgedrückt, werden alle Märkte immer mehr zu Nischenmärkten.
Dazu kommt, so der Zukunftsforscher weiter, dass der Verbraucher noch nie so viel Zeit und so viel Freiraum hatte wie heute. Das hat allerdings auch eine Kehrseite, weil viele damit nicht umgehen können. „Keiner sagt uns mehr was richtig ist, und was wir tun sollen, wir sind allein gelassen mit unseren Entscheidungen", so Huber. Dazu komme die zunehmende Produktvielfalt und Informationsüberflutung mit Werbung. Der Verbraucher fühlt sich immer mehr überfordert und gestresst. Die Konsequenz daraus: Das Vertrauen in den Wert, die Beständigkeit und die Nachhaltigkeit der Produkte wird jetzt wieder höher geschätzt. Dazu kommt der Wunsch nach Regionalität als Gegenbewegung zur Globalisierung.
Verändert hat sich auch die Biografie der Verbraucher. Der klassische Weg Schule - Ausbildung - Beruf - Ehe und anschließende Rentenphase hat immer mehr Brüche. Mehrfache Ausbildungs- und Berufswechsel, auch wesentlich mehr Scheidungen als früher sind Ausdruck der stärkeren Individualisierung, und auch höherer Ansprüche des Menschen. Die Zahl der Patchworkfamilien nimmt stark zu, Kinder werden immer später gezeugt, die klassische Familie mit zwei Kindern wird immer seltener. Wirklich stabile Zeiten in der Biografie des Kunden beginnen erst im Alter ab 55 Jahren. Diese neuen Biografien wirke sich beispielsweise auch auf den Bedarf und die Qualität der Wohnumfelds in den verschiedenen Lebensphasen aus.

Kundennähe wird zum strategischen Vorteil

Diesen Trends kann das Handwerk wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig begegnen, so Huber. Nah am Kunden, ist es Handwerksbetrieben möglich, deutlich flexibler auf die Kunden zu reagieren als ein großes Industrieunternehmen oder eine Handelskette, die dem Kunden praktisch nie eins zu eins, nie direkt gegenüber stehen. Mit seinem direkten, persönlichen Kontakt zum Kunden könne das Handwerk seinem Kunden individuell auf ihn zugeschnittene Leistungen anbieten. Und, Stichwort Nähe und Vertrauen zum Handwerker, außerdem in die Rolle des Lotsen schlüpfen, der, Stichwort Informationsüberflutung, dem Verbraucher eine kompetente Beratung und Vorauswahl im Produktdschungel bieten kann. Allerdings muss das Handwerk sich darauf einstellen, so Huber, dass die Kunden immer anspruchsvoller werden, und vor allem kleinere Handwerksbetriebe den damit verbundenen Wunsch nach perfekter Dienstleistung aus einer Hand nur im Verbund mit anderen Betrieben zusammen erfüllen können. Es gibt einen Trend zum Luxus.

Wachstumsmarkt „aktive Alten"

In der stark wachsenden Gruppe der aktiven Alten, deren Kaufkraft stetig zu nimmt, ist für das Handwerk eine Vielzahl lukrativer Marktnischen denkbar, etwa in den Bereichen Wellness und Pflege. Die „Alten" seien aber keinesfalls eine homogene Zielgruppe und genau so individuell und unberechenbar wir die jüngere Generation. „Stars altern mit ihren Fans", so Huber, und sie verhalten sich auch so. Ein Rolling- Stones- Fan könne heute durchaus 70 Jahre alt sein, ebenso alt wie einer, der ein Leben lang Volksmusik gehört hat. Beide seien gleich alt, hätten aber völlig verschiedene Vorstellungen vom Leben und natürlich auch völlig verschiedene Geschmäcker und Bedürfnisse.
Den Alten sei aber zweierlei gemeinsam, so Huber. Älter werden bedeutet für sie einen immer länger werdenden Lebensabschnitt. Jedes Mädchen, das im Jahr 2000 geboren wurde, hat inzwischen eine Lebenserwartung von 100 Jahren. Außerdem gilt: Ältere Menschen sind heute aktiv. Alt werden ist für sie schön und erstrebenswert, Umfragen belegen, dass sich ältere Menschen durchweg jünger fühlen als sie sind. Unternehmen wie BMW oder Harley Davidson wissen dies genau. Das Durchschnittsalter eines BMW-Fahrers sei zwar heute 54 und die eines Harley- Davidson- Fahrers 48 Jahre, dennoch sei die Werbung nicht auf ältere Menschen, sondern auf Menschen, die sich jung fühlen, ausgelegt.

Die Nähe des Handwerks zu seinem Kunden sei der Schlüssel für seine Zukunft, so Huber abschließend. Das Handwerk werde in Zukunft mehr kooperieren, um anspruchvolle Kundenwünsche für den Kunden bequem abdecken zu können. Es müsse flexibler, und innovativer als früher sein.

Salzbrenner: In der Nische zum Weltmarktführer

Dass es sich in einer Nische für ein hoch spezialisiertes Unternehmen ausgezeichnet leben lässt, zeigt seit Jahren das Unternehmen Salzbrenner Stage Tec aus Buttenheim. 1963 von Friedrich Salzbrenner als Kleinstunternehmen gegründet, gehört es heute zu den Weltmarktführern, unter anderem dann, wenn es um die Beschallung und Vernetzung großer Stadien und Gebäude oder um TV- Übertragungstechnik geht. Mit 220 Mitarbeitern wurden zuletzt 49 Millionen Umsatz gemacht. Die Referenzliste von Stage Tec ist atemberaubend. Sie waren maßgeblich an der Ausstattung der BMW- Welt in München, der Olympiastadien in Athen und Peking oder auch der Parlamentsbauten in Berlin beteiligt. Aktuelles Großprojekt ist die Beschallung des Bolschoi-Theaters in Moskau.
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