Konjunktur II. Quartal 2026Das oberfränkische Handwerk bleibt auf Kurs
Bayreuth/Oberfranken. Das Handwerk in Oberfranken verzeichnet für das II. Quartal 2026 weiterhin robuste Zahlen und bleibt auf Kurs. Auch wenn der Geschäftsklimaindex leicht um zwei Punkte auf 87 Punkte fällt, bleibt der befürchtete Rücksetzer, ausgelöst durch die schwierige geopolitische Lage, bislang aus. Dies zeigt die Konjunkturumfrage unter 390 Betrieben mit 5.166 Beschäftigten, die steigende Konjunkturindikatoren lieferte, gleichzeitig jedoch auch eingetrübte Erwartungen. Die Einschätzung von Handwerkskammer-Präsident Mathhais Graßmann fällt entsprechend verhalten aus. „Das oberfränkische Handwerk gerät zunehmend in unruhiges Fahrwasser, bleibt aber nach wie vor auf Kurs."
Positiv sei zum jetzigen Zeitpunkt zu bewerten, dass sich die Beschäftigungssituation stabil darstelle, Umsatzzahlen wieder ansteigen und wieder mehr Aufträge eingehen würden. "Der Blick nach vorne macht den Betrieben allerdings zunehmend Sorgen“, so Graßmann. Daher bewege man sich derzeit auf einem schmalen Grat. Noch bestehe die Gefahr, dass sich die Geschäftslage in diesem problematischen Umfeld weiter verschlechtern könne. "Wir hoffen und glauben aber, dass in den kommenden Wochen und Monaten die Zuversicht Oberhand gewinnt und sich die Lage weiter verbessert."
Aktuell bewerten 80 % der Betriebe ihre Lage als „gut“ oder „befriedigend“ und damit 3 % mehr als im Vorquartal. Im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt dieser Wert aber um 4 % schlechter. Die Erwartungen hinsichtlich kommender Geschäfte fallen verhalten aus. Im I. Quartal berichteten noch 22 % der Betriebe von „guten“ Erwartungen an die Geschäftslage, im II. Quartal sind es nur noch 8 %. Im Vorjahresquartal (II/2025) lag dieser Wert noch bei 10 %. „Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zeigt einmal mehr, dass der Großteil unserer Betriebe das schwierige wirtschaftliche Umfeld noch gut bewerkstelligen kann“, ordnet HWK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Bauer die Umfrageergebnisse ein. „Dennoch ist das kein Grund zum Aufatmen. Wenn über ein Fünftel der Befragten zukünftig eher schlechtere Betriebszahlen erwarten, ist das nicht nur bedenklich, sondern auch der höchste Wert in einem II. Quartal seit 2020!“
Auftragseinträge steigen an
Während der Konjunkturindikator „Beschäftigung“ fast identische Vorjahreswerte zeigt und beim „Umsatz“ der saisonale Tiefpunkt aus dem I. Quartal 2026 zumindest überstanden ist, steigen die „Auftragseingänge“ das dritte Quartal in Folge an.
Beim Umsatz melden 20 % der befragten Betriebe einen Anstieg, allerdings auch 30 % einen Rückgang. Die Auftragseingänge der oberfränkischen Handwerksbetriebe steigen das dritte Quartal in Folge, erreichen jedoch noch nicht ganz die Werte des Vorjahresquartals (II/2025). Zwar berichten 15 % der Betriebe von gestiegenen Auftragseingängen, dem gegenüber stehen aber auch 32 % der Betriebe, die von gesunkenen Auftragseingängen berichten. Der durchschnittliche Auftragsbestand sinkt nur leicht auf 8,7 Wochen. Damit liegt er deutlich unter dem II. Quartal 2025 (9,7 Wochen).
Auslastung auf Vorjahresniveau
Die Kapazitätsauslastung des oberfränkischen Handwerks steigt auf 76 % und erreicht damit das Niveau des II. Quartals 2025. Der Anteil der Betriebe, die eine Auslastung von 100 % oder mehr angeben, steigt im Vergleich zum Vorquartal um 11,1 % auf 33,9 %. Alle Handwerkszweige liegen im II. Quartal 2026 über 72 % Auslastung. Die deutlichsten Steigerungen gab es im Vergleich zum Vorquartal beim Bau- (+8,3 %) sowie dem Friseur- und Kosmetikhandwerk (+4,9 %).
Einschätzung aus den einzelnen Handwerkszweigen
- Gegenüber dem Vorquartal hellt sich die Lage im Bauhandwerk leicht auf (+ 8 % „gute“ Geschäftslage), bleibt aber deutlich unter den Werten des Vorjahresquartals (II/2025). Insgesamt 83 % der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als mindestens „befriedigend“.
- Auch im Ausbauhandwerk bleibt die Bewertung der Geschäftslage verhalten. Mit 80 % geben leicht weniger Betriebe ihre Lage als „gut“ oder „befriedigend“ an als im Vorquartal (81 %) und dem II. Quartal 2025 (85 %).
- Im Vergleich zum I. Quartal 2026 verbessert sich die Lage der Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs (+ 4 %). 79 % der Betriebe berichten von „guten“ oder „befriedigenden“ Geschäften. Der Anteil bleibt damit auch 1 % über dem Vorjahreswert (II/2025).
- Im Kfz-Handwerk ist die Stimmung grundlegend besser als im Vorjahr. 35 % der Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als „gut“ ein, das sind 15 % mehr als im Vorjahresquartal. Im Vergleich zum I. Quartal 2026 sinkt der Anteil „schlechter“ Einschätzungen von 28 % auf 7 % deutlich.
- In den Nahrungsmittelhandwerken verschlechtert sich die Geschäftslage. Mit 62 % „guter“ oder „befriedigender“ Geschäftslage liegt die Einschätzung deutliche 9,5 % unter den Werten des II. Quartals 2025 (71,5 %) und leicht unter der Werten des I. Quartals 2026 (65,2 %).
- Die Lage der Gesundheitshandwerke zeigt sich im Vergleich stabil, doch weniger positiv. Zwar sehen weiterhin 100 % der Betriebe die Geschäftslage mindestens „befriedigend“, jedoch sehen nur noch 17 % eine „gute“ Geschäftslage, das sind 22 % weniger als im Vorquartal und 33 % weniger als im II. Quartal 2025.
- Im Friseur- und Kosmetikhandwerk tendiert die Geschäftslage im Vergleich zum I. Quartal 2026 zur Mitte („befriedigend“), sowohl 9 % weniger Betriebe sehen eine „gute“ als auch eine „schlechte“ Geschäftslage. Im Vergleich zum II. Quartal 2025 ist die Einschätzung jedoch positiver (+5 % „gute“ und -4 % „schlechte“ Geschäftslage).
Bayreuth, 10. Juli 2026