Sind stolz auf ihren gelungenen Fahrplan zur Betriebsübernahme: Ex-Chef David Kampfmeier und seine Tochter Amelie, die seit diesem Jahr in Eigenverantwortung die Geschäfte führt.
BetriebsübernahmeDrei Jahre Vorbereitung für den Posten als Chefin
Auch wenn sie aus einem Malerbetrieb stammt, war das Handwerk zu Schulzeiten nie ein Thema für sie. Erst als sie während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften hin und wieder zur Ferienarbeit im Betrieb war, hat es bei Amelie Kampfmeier gefunkt. Sie merkt, wie viel Spaß ihr die handwerkliche Arbeit auf Baustellen, aber auch die Kommunikation mit Kunden macht. Nach Abschluss des Studiums, einer verkürzten Ausbildung und dem Meistertitel war die 29-Jährige bereit für die Betriebsübernahme. Zusammen mit ihrem Vater David Kampfmeier und ihrer Mutter Cornelia Schauer gibt sie sich einen Einarbeitungszeitplan von drei Jahren.
Seit Juli ist sie nun offiziell Chefin der Malerwerkstätte Gross in Schwarzenbach an der Saale. Seitdem ist sie mit Herzblut bei der Sache und stolz darauf, die Geschichte des Familienbetriebes, der seit 1910 besteht, weiterführen zu dürfen. „Es ist natürlich schon eine große Verantwortung, das erfolgreich weiterzuführen, was vier Generationen vor mir aufgebaut haben“, sagt die Malermeisterin. „Aber Großeltern und Eltern, und auch Belegschaft und Kunden bringen mir ihr Vertrauen entgegen – und das ist wirklich toll.“
Klarer Übergabeplan
Dass der Übergang so reibungslos gelungen ist, schreiben Vater und Tochter ihrem strukturierten Plan mit klar definierten Etappen zu. „Wir sind miteinander Schritt für Schritt, von der Auftragskalkulation über das Aufmaß auf der Baustelle bis zur Rechnungstellung durchgegangen“, beschreibt Kampfmeier das Vorgehen. Ein regelmäßiger Feedback-Termin hat ihnen dabei gezeigt, wo sie stehen. Zudem haben sie an einzelnen Tagen schon einmal die Rollen getauscht – quasi als Testballon. Die Tochter wurde zum Chef, der Vater zum Angestellten. „Das war eine gute Idee meiner Mutter, denn dabei habe ich am meisten gelernt“, sagt die junge Handwerkerin, „da musste ich mich um alles kümmern, was an einem Arbeitstag halt so passieren kann“. Dass die Betriebsübergabe letztendlich so reibungslos über die Bühne gegangen ist, schreiben Vater und Tochter auch der frühzeitigen Kommunikation zu – im Betrieb, aber auch bei vielen Stammkunden. „Alle haben immer gewusst, wann was passiert. So fiel die Umstellung leichter und ich wurde von Anfang an akzeptiert.“
Zettelwirtschaft abgeschafft
Schon während der Probephase hat die 29-jährige Schwarzenbacherin eines ihrer Ziele für den eigenen Betrieb erreicht: die konsequente Digitalisierung. Bei allen innerbetrieblichen Abläufen sind Zettel und Bleistift fast nicht mehr zu sehen. Alle sind mit Tablet oder Laptop unterwegs, bearbeiten dort die Daten. Der Austausch erfolgt über eine eigene Cloud. „Das hilft uns allen, effektiver zusammenzuarbeiten“, ist Amelie Kampfmeier überzeugt. Doch sie plant auch schon weiter: „An der Größe des Betriebs mit vier Angestellten möchte ich nichts ändern. So bleiben wir flexibel bei der Abarbeitung der Aufträge unserer Stammkunden“, sagt die Jungunternehmerin. Apropos Angestellte: Hier setzt Amelie Kampfmeier einen großen Schwerpunkt. Die Mitarbeiter sollen sich bei ihr wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen. „Ich will eine gute Stimmung im Betrieb. Dazu gehört meine Wertschätzung, aber auch ein Blick auf die Mitarbeitergesundheit.“
Mädchen Mut machen
Malermeisterin Amelie Kampfmeier ermutigt Mädchen, ins Handwerk einzusteigen und sich nicht von Klischees beeinflussen zu lassen.
Als Frau im Handwerk hat sich die Malermeisterin immer wohl gefühlt. Deshalb macht sie auch Mädchen Mut, diesen Weg zu gehen. Dazu gehört ihrer Meinung nach aber eine gewisse Offenheit. „Wenn mal ein blöder Spruch fällt, sollte man einfach das persönliche Gespräch suchen und selbstbewusst auftreten.“
Ebenso ist es kein Problem, um Hilfe zu bitten, wenn es zum Beispiel mal um das Heben schwerer Lasten geht. Ihr Credo: „Frauen kümmern sich im Handwerk auch darum, dass es am Ende des Auftrags schön aussieht!“