Modist Azubi Tim Kocher steht vor einem Schrank voller Hüte und hält einen Hut in der Hand
HWK für Oberfranken
In der Welt der Hüte: Azubi Tim Kocher zusammen mit Chefin Julia Schneider-Koch und HWK-Präsident Graßmann

Ausbildung„Hut auf“ für diese Ausbildung

Nähen und kreatives Arbeiten – „Das mache ich schon mein ganzes Leben lang.“ Trotzdem führte Tim Kochers Weg zu seiner Ausbildung über einige Umwege. „Erst wollte ich mich an einer Privatschule zum Modedesigner ausbilden lassen, dann habe ich kurzfristig Textiltechnologie und Textilmanagement studiert. Da wusste ich aber sehr schnell, dass mir das viel zu theoretisch und zu wenig praktisch war.“ Er rechnete schließlich „1 und 1 zusammen“ und fand die für ihn richtige Lösung: eine handwerkliche Ausbildung. Jetzt lernt der 25-Jährige bei Schneiders Hutmanufaktur in Bamberg den seltenen Beruf des Modisten.

Für Julia Schneider-Koch, Hutmachermeisterin und Inhaberin der Hutmanufaktur, ist der junge Mann ein Glücksfall. „Ich bilde immer aus, wenn es möglich ist. Schon damit unser toller Beruf erhalten bleibt.“ Daher freute sie sich sehr, als sich Tim Kocher bei ihr bewarb. Schnell war klar, dass er gut in das kleine Team der Hutmanufaktur passt. Der junge Mann hatte sich bundesweit beworben und zog schließlich wegen des Ausbildungsplatzes eigens vom „schönen Heidelberg ins noch schönere Bamberg“.

  

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Jetzt lernt er in dem traditionsreichen kleinen Geschäft am Grünen Markt, Schablonen oder Schnittmuster herzustellen, das passende Material auszuwählen, dieses durch Dämpfen oder Ziehen in die richtige Form zu bringen, zu nähen und schließlich einen Hut hervorzuzaubern. Was ihm dabei besonders gefällt? „Als Modist näht man immer im genau richtigen Maßstab, weil immer alles in zwei Hände passt.“ Zudem liebe er das Material Filz, vor allem Veloursfilz. „Ich finde die Textur super und wie die Farben strahlen mit den verschiedenen Texturen.“ Wenngleich er mit Nadel und Faden schon routiniert umgehen kann, freut er sich auf die vielfältigen Ausbildungsinhalte. „Ich habe zum Beispiel schon zuhause immer mit Filz gearbeitet und viel herumprobiert, die Arbeitsvorgänge waren dabei ähnlich. Es hat aber nie so richtig zufriedenstellend hingehauen. Jetzt lerne ich die Techniken professionell, damit das Material und das Produkt am Ende super aussehen und auch die Form halten.“

In Schneiders Hutmanufaktur findet Tim Kocher ideale Voraussetzungen vor. Alle Hüte, die es in dem Ladengeschäft zu kaufen gibt, werden einen Stock höher selbst hergestellt. Alle Kreationen selbst entworfen. „Toll ist es natürlich, wenn Kunden kommen und uns einfach machen lassen. Und am Ende von ihrem Hut begeistert sind“, erzählt Inhaberin Schneider-Koch. Sie hat die Manufaktur 2013 übernommen und führt diese seitdem mit zwei Auszubildenden, einer Gesellin und einer Teilzeitkraft weiter. „Natürlich müssen wir uns auch wirtschaftlich aufstellen und es steckt viel Arbeit im Geschäft – aber ich könnte mir nicht vorstellen, in einem anderen Beruf zu sein.“ Das Hutmachen begeistert auch Tim Kocher. „Die Ausbildung kommt super.“ Und auch Bamberg hat es dem jungen Mann angetan. Dennoch gehen seine Pläne und Gedanken schon weiter. „Ich möchte später nach England gehen.“ Ins Land der extravaganten Hutbedeckungen.