Porträtbild von Matthias Graßmann
HWK für Oberfranken

Reformpaket"Keine Gruppe mit befürchtetem Worst-Case-Scenario"

„Die Entlastung vieler Menschen, ohne gleichzeitig Betriebe in die unmittelbare und für sie teure Haftung zu nehmen. Das ist die gute Nachricht der Einigungen, die die Regierungskoalition geschafft hat.“ Matthias Graßmann, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, bewertet die heute vorgestellten Reformvorhaben der Regierung grundsätzlich positiv. Das bedeute gleichzeitig, dass das Handwerk die ein oder andere Kröte schlucken müsse. Gerade aber bei dem notwendigen Abgleich der Interessen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer seien viele Entscheidungen gut. „Wichtig ist auch das politische Signal“, betont Graßmann, der die Diskussionen und Reformpläne der vergangenen Monate sehr kritisch begleitet hat. „Es gibt Lösungen, die für keine Betroffenen ein Worst Case-Szenario darstellen, auf die sich die Koalition einigen kann. Zudem wissen wir jetzt, was kommen wird.“

Positiv ist laut Handwerkskammer beispielsweise der Verzicht auf Veränderungen bei der Erbschaftssteuer und eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. Beides hätte Handwerksbetriebe, die zu großen Teilen Personenunternehmen und damit einkommenssteuerpflichtig sind, hart getroffen. „Ein Pluspunkt ist sicher auch die Entlastung der Familien und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, da dadurch die Binnenkonjunktur belebt werden kann – und das Handwerk hoffentlich profitiert.“ Zudem würden auch die Mitarbeitenden der Betriebe von den Plänen etwas spüren.

Graßmann hätte sich bei den Entlastungen zwar durchaus auch größere Schritte erhofft. Der Kompromiss sei aber in Abwägung zu den vorher diskutierten Gegenfinanzierungsvorschlägen im Interesse des Handwerks erfolgt. In diesen Bereich siedelt der HWK-Präsident auch den grundsätzlichen Erhalt des sogenannten Handwerkerbonus an, dessen steuerliche Entlastungswirkung allerdings reduziert wurde. Dafür stünden zusätzlich die flexibleren Befristungsregeln bei Beschäftigungsverhältnissen, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sowie längere Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien auf der Habenseite.



Keine Gleichwertigkeit bei Unternehmensformen

Nicht zufrieden ist das Handwerk ebenso wie der gesamte Mittelstand, dass die deutliche Differenzierung zwischen Kapitalgesellschaften, die über die schrittweise Absenkung der Körperschaftssteuer tatsächlich entlastet werden, und den kleinen und mittleren Betrieben nicht nur erhalten bleibt, sondern sogar zementiert wird. „Hier gibt es deutlichen Nachbesserungsbedarf, der jetzt im geplanten Steuervereinfachungsgesetz abgebildet werden muss“, fordert Graßmann gemeinsam mit dem bayerischen und deutschen Handwerk. Bei einem weiteren, an sich gut klingenden, Vorhaben bleibt er zudem skeptisch: „Ich glaube erst an den angekündigten, schnellen Bürokratie-Abbau, wenn er auch tatsächlich umgesetzt ist.“

Bayreuth/Oberfranken, 2. Juli 2026



 

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