Künstliche IntelligenzRobotik mit KI: Auszubildende üben die Praxis
Bayreuth. Die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) schreiten rasant voran und beeinflussen immer stärker auch die Arbeitsabläufe in Industrie und Handwerk. Die Folge daraus: Schon Auszubildende müssen sowohl im Unterricht an der Berufsschule als auch bei ihrer Arbeit im Betrieb KI-Kompetenzen erwerben, die Theorie und Praxis effektiv miteinander verbinden. Dafür macht sich die HWK für Oberfranken gemeinsam mit Partnern stark und entwickelt permanent neue, übergreifende Schulungsformate.
Beim Aktionstag „CoboVision Academy – KI mit Robotern“ im Showroom des Bildungszentrums Bayreuth der Handwerkskammer, den die HWK gemeinsam mit der Berufsschule I Bayreuth, dem Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk, dem Werkzeug- und Maschinenbauunternehmen Siegfried Hofmann GmbH aus Lichtenfels und der BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH initiiert hat, wurde Auszubildenden, Berufsschülerinnen und Berufsschülern Möglichkeiten von KI-Anwendungen und Automatisierungslösungen vorgestellt. Wichtig dabei: Die angehenden Feinwerk- oder Industriemechaniker probierten die KI-Tools beziehungsweise digitalen Werkzeuge selbst aus und machen sich damit vertraut.
Vom Training zur Programmierung zur Umsetzung
An einer Station lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beispiel, wie sie einen Roboterarm mithilfe von KI individuell programmieren können. Der Roboterarm kann unter anderem Werkstücke auf ein Förderband legen oder etwa fehlerhafte Schrauben in der Produktion aussortieren. KI-Trainer Robert Falkenstein, Projektmitarbeiter beim Schaufenster Bayreuth des Mittelstand-Digital Zentrums Handwerk (MDZH), zeigte den angehenden Mechanikerinnen und Mechanikern den gesamten Prozess vom Anlernen der KI über die konkrete Programmierung bis zur Ausführung des Programms am Tablet. “Das Anlernen der KI ist dabei einfach, aber die Ausführung in der Praxis ist schwierig”, erklärte Falkenstein.
Die Auszubildenden vor Ort probierten sich aus und versuchten als erste Aufgabe, die KI anzulernen. Die KI muss zum Beispiel erkennen können, wie das Werkstück, das sie greifen und von Punkt A nach Punkt B bewegen soll, aussieht. Mittels einer Kamera erstellt die KI dabei einen Scan des Objekts und seiner Positionierung. Doch schon hier zeigte Falkenstein erste Fallstricke: Zum einen muss der Kontrast zwischen Untergrund und Objekt ausreichend sein, damit die KI das Objekt gut genug erkennen kann. Zum anderen komme es auf die Belichtung an: Schatten oder Reflektionen könnten die KI verwirren und zu einer falschen Programmierung führen.
Auch das Thema Positionierung stellt eine Herausforderung dar. Das bemerkten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den ersten eigenen Versuchen, den Roboterarm mittels KI richtig zu steuern - dieser aber mitunter falsche Bewegungsabläufe durchführte. Die Erkenntnisse der Auszubildenden: Bei der Programmierung der verschiedenen Wegpunkte müssen sie wortwörtlich einen Perspektivwechsel vollziehen und den Blickwinkel der Kamera im Roboterarm einnehmen.
Automatisierter Service per QR-Code-Karten
Vertreter der BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH zeigten den Teilnehmenden, dass Robotik aber auch ohne KI funktionieren kann. Sie stellten einen Serviceroboter vor, der zum Beispiel beim Einlagern von Waren oder in der Produktion eingesetzt werden kann. „Wir haben bei unserem Roboter einen hohen Grad an Automatisierung, benötigen aber dennoch keine KI, um Anwendungen oder Anweisungen zu integrieren“, erklärte Dominik Schug von der BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH. Der Roboter wird über aufgeklebte Spurbahnen am Boden geleitet und navigiert mit einer Kamera. Diese verhindert auch Kollisionen und stoppt den Roboter, bevor er gegen Gegenstände oder Menschen fährt. Über Sensorkarten mit QR-Codes, die auf der Spur platziert werden, konnten die Teilnehmenden dem Roboter zusätzlich Anweisungen geben: Zum Beispiel zu hupen, wenn eine Gefahrensituation entsteht.
Auszubildende sind begeistert: Perfekte Vorbereitung auf die Arbeit mit KI
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gemeinsamen Aktionstags der HWK und der Berufsschule zeigten sich über die praxisnahen Einblicke in die Robotik begeistert. Vor allem das aktive Ausprobieren machte allen nicht nur Spaß, sondern half ihnen auch dabei, Fehler in der Programmierung selbst zu erkennen und zu beheben. Dominik Talhofer, Auszubildender zum Industriemechaniker betonte zum Beispiel, dass der Aktionstag eine perfekte Vorbereitung für die Arbeit mit KI gewesen sei.
Bildergalerie zum Aktionstag
Fazit von Organisator und KI-Trainer Robert Falkenstein:
„Das war ein sehr cooler Tag! Wir hatten den Eindruck, dass es allen gefallen hat und sie etwas für ihre Ausbildung mitnehmen konnten. Wir werfen in Oberfranken immer auch den Blick über den Tellerrand einzelner Fachbereiche hinaus. Und versuchen in der Zusammenarbeit der verschiedenen Lernorte den Fachkräften von morgen möglichst viel Input zu geben."
Bayreuth, 6. Oktober 2025