Duales StudiumBundesweit einmalig: Duales Studium "Bauerhalt und traditionelle Werktechniken" startet in Oberfranken
Über 70 Prozent der gesamten Bautätigkeit in Deutschland findet im Bestand statt. Daher hat die Handwerkskammer für Oberfranken gemeinsam mit der Hochschule Coburg und der Universität Bamberg einen neuen, in Deutschland einzigartigen dualen Studiengang entwickelt. Die duale Qualifizierung "Bauerhalt und traditionelle Werktechniken", die einen Gesellenbrief in einem handwerklichen Bauberuf mit einem Bachelor-Abschluss verbindet, soll zum Wintersemester 2026 starten. Die Botschaft darin ist ganz klar: Die Zukunft im Bau liegt auch im Traditionellen.
Der Titel "Bauerhalt und traditionelle Werktechniken" weist den Kern des dualen Studiengangs aus: "Gerade hier in Oberfranken mit der vielseitigen, oft historischen Bausubstanz nehmen Sanierungen und das Bauen im Bestand eine herausragende Rolle ein", erklärt der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Matthias Graßmann. Daher sei hier bei den Betrieben aus dem Bau- und Ausbauhandwerken sowohl eine hohe Sensibilität als auch großes Fachwissen vorhanden. "Der duale Studiengang ergänzt dieses exklusive Knowhow des Handwerks mit Kompetenzen moderner Planungs- und Bauprozesse – und der Teilhabe an Innovationen rund um Ressourcenschonung und klimagerechte Bauweisen. Daher sind wir sehr froh, dieses bundesweit einmalige duale Studium nach langen Planungsphasen jetzt hier in Coburg und Bamberg an den Start bringen zu können."
Das duale Studium beinhaltet die klassischen Komponenten eines Verbundstudiums. Besonders wichtig für Betriebe ist aber, dass alle praktischen Einheiten außerhalb des Betriebs wie die in der Ausbildungszeit verpflichtenden Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLU) in die Semester integriert sind. "So schaffen wir eine sehr enge inhaltliche Verzahnung von betrieblicher Praxis und Studium. Das dabei erworbene Knowhow können die Auszubildenden beziehungsweise Studierenden zudem im Praxissemester im Betrieb ausprobieren und umsetzen." Graßmann ist überzeugt davon, dass die Handwerksbetriebe im Baugewerbe von dem neuen dualen Studiengang profitieren. "Sie haben damit ein sehr attraktives Angebot für leistungsstarke Jugendliche, die mehr als eine Ausbildung anstreben. Zudem profitieren sie in einem wichtigen Geschäftsfeld von den erweiterten Kenntnissen ihres Nachwuchses, der nicht nur sein Handwerk beherrscht, sondern Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen fachlich fundiert planen und umsetzen kann." Die künftigen Absolventinnen und Absolventinnen seien demnach für Schnittstellen- und Führungsaufgaben qualifiziert und möglicherweise auch für die Betriebsnachfolge.
Wie können Betriebe an dem dualen Studiengang teilnehmen?
Für die Teilnahme an dem dualen Studiengang müssen Betriebe eine Kooperationsvereinbarung mit der Hochschule Coburg abschließen – und sich einen (oder mehrere) künftige Studierende suchen. Wichtig ist: Das erste Jahr der Ausbildung, die traditionell zum 1. September startet, absolvieren diese komplett im Betrieb! Diese "Grundausbildung" ist gemeinsam mit einem Ausbildungsvertrag Voraussetzung, um sich für das duale Studium einschreiben zu können. In Frage kommen dafür prinzipiell alle Berufsbilder, die mit Sanierungen, Bauerhalt und Denkmalpflege befasst sind: Maurer, Schreiner, Steinmetz, Stuckateur, Zimmerer, Maler/Kirchenmaler, Metallbauer, Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Ofen- und Luftheizungsbauer …
Coburg, 2. März 2026