Die Werkstatt der Töpferei Renner von früher.
Töpferei Renner
Früher war die gesamte Familie in der Töpferei aktiv: Fritz Sommer mit Mutter Leni, Tochter Babette, Ehefrau Mechthild und Schwiegervater Herbert (von links).

Töpferei Renner: Gründung 1884Unikate liegen heute wieder mehr im Trend

Was Otto Renner und seine Ehefrau Katharina im Jahr 1884 begannen, besteht nach 140 Jahren, in der fünften Familiengeneration, weiter. In der Thurnauer Töpferei Renner wird heute in Teilen noch so produziert wie zur Gründerzeit. Verantwortlich dafür ist Eva Potzel, die Ururenkelin Otto Renners, die heute die kleine Töpferei führt und ganz bewusst an der Tradition festhält. Sie arbeitet ausschließlich in klassischer Handarbeit. So entstehen einzigartige Objekte aus Ton, eben wahre Unikate, die auch bei jungen Generationen wieder voll im Trend liegen.



Produkte für die Ewigkeit

„Ich bin sehr stolz darauf, unsere Familiengeschichte weiterführen und somit auch die alten Formen und Designs wieder mit Leben erfüllen zu können“, sagt Eva Potzel. Damit schaffe sie ganz bewusst einen Gegenpart zur heutigen industriellen Massenproduktion in ihrem Gewerk. Und das mit einer klaren Ausrichtung: „Ich produziere wie meine Familie seit jeher Gebrauchsgeschirr, das auch im Haushalt genutzt werden soll und nicht nur zur Zierde in einer Glasvitrine steht“, gibt sich die 44-Jährige selbstbewusst. Dabei legt sie insbesondere Wert auf die Qualität, nimmt ihre Produkte mehrfach in die Hand, bis sie fertig sind – nach der Gestaltung auf der Töpferscheibe werden ihre Produkte getrocknet, bemalt, einmal gebrannt, glasiert, zum zweiten Mal gebrannt und schlussendlich poliert. „In meiner Werkstatt schaffe ich etwas für die Ewigkeit“, sagt die Töpfergesellin.



Jedes Werkstück ein Unikat

Das Besondere an der traditionellen Herstellung ist, dass sie bei der Gestaltung ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann und mit ihren Händen etwas Individuelles und Nachhaltiges für ihre Kunden herstellt. Eines begeistert Potzel dabei immer wieder: „Ich liebe die Überraschung, wenn ich nach dem Brennen den Ofen aufmache, denn es ist spannend zu sehen, wie sich Farbe und Glanz dadurch nochmals verändern.“ So wird jedes Werkstück zum Unikat, kein Teil gleicht zu 100 Prozent dem anderen. Im Repertoire der Töpferei Renner finden sich nach wie vor Teller, Tassen, Becher und sogenannte „Mopper“, das sind Figuren wie Engel, Tiere oder auch der Nikolaus. Diese wurden von Generation zu Generation weitergegeben.

Eva Potzel in der Werkstatt beim töpfern.
HWK für Oberfranken
Noch heute arbeitet Eva Potzel in klassischer Handarbeit.

Eva Potzel erfüllt ihren Kunden aber auch trendige Sonderwünsche wie Espresso-Tassen, Nudelteller oder auch Bowls. In der Produktion hält sie jedoch konsequent an den traditionellen Thurnauer Formen und Designs fest. „Jede Töpferei hatte ihr eigenes Markenzeichen. Für die Familie Renner ist nach wie vor eine spezielle Dekorspritztechnik prägend.“ Auch das Vergissmeinnicht ist wie ein feststehendes Warenzeichen und weist Kunden den Weg in den kleinen Traditionsbetrieb.



Schon als Kind begeistert

Bereits mit drei Jahren hilft Eva ihrem Vater Fritz Renner in der Töpferwerkstatt und versucht an der Drehscheibe ihr eigenes Kaffeeservice für die Puppenküche zu töpfern. 1996 begann die Thurnauerin dann ihre Töpferlehre, im Jahr 2018 übernahm sie den elterlichen Betrieb, den sie seit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2022 nun allein führt. Ein Stück ihrer Begeisterung für das Töpferhandwerk möchte sie gerne auch auf ihre beiden Töchter übertragen, damit die Töpfer-Dynastie Renner in eine weitere Generation gehen kann. Ganz so einfach – meint sie selbst – wird das aber nicht gelingen. Denn auch ihr sehr kreatives Handwerk wird durch immer neue Regulierungen, beispielsweise durch das Verpackungs- und Lebensmittelgesetz, schnell mit bürokratischen Hürden gespickt. „Und letztendlich“, so Potzel, „müssen natürlich auch die Nachfrage und der Umsatz passen.“

 

Ansprechpartner

Ulrich Förtsch

Mitarbeiter Kommunikation - Medien

Tel. 0921 910-186

Fax 0921 910-45186

ulrich.foertsch--at--hwk-oberfranken.de



 

Weiterführende Informationen

Mehr zur Geschichte gibt es auf der Website von Töpferei Renner.