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Lehrlingsaustausch mit Frankreich 2016

Auch dieses Jahr war eine Gruppe oberfränkischer Lehrlinge zum Austausch mit der Chambre de Metiers et de l'Artisanat de l`Aude in deren Bildungszentrum CFAI Lezignan in Südfrankreich.

Die Gruppe der Lehrlinge, die aus den Berufen Bäcker, Fleischer, Maler, Kfz-Mechatroniker und Friseur bestand, war diesmal mehrheitlich mit Mädchen besetzt.

Auf der Hinreise wurde die Stadt Annecy, die Partnerstadt Bayreuths besucht, deren Stadtverwaltung der Gruppe - wie immer - einen freundlichen Empfang organisierte und den Jugendlichen die Stadt und den Lac de Annecy mit einer Führung und einer Seefahrt erleben lies.

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Das Bildungszentrum CFAI Lezignan, in dem die Gruppe für zwei Wochen untergebracht war, liegt zwischen Narbonne und Carcassonne. In der Stadt Lezignan und den Nachbar­gemeinden leisteten die Lehrlinge ihr einwöchiges Berufs-Praktikum bei meist kleineren Handwerksbetrieben ab. Hier lernten sie die südfranzösische Arbeitswelt und Lebens-weise kennen.

Um den Erfolg des Praktikums zu evaluieren, wurden die Lehrlinge nach dem Gelernten und den festgestellten Unterschieden zur bisher gelernten beruflichen Tätigkeit  befragt.

Aussagen der Lehrlinge zu den Unterschieden in den einzelnen Berufen:


Kfz-Mechatroniker:

Nur geringe Unterschiede, weniger Schutzfett wird eingesetzt, da kein Salz auf die Straßen gestreut wird. Bei Bremsbeläge wechseln wird kein Fett für Bolzen und Bremssattelhalter verwendet, oft werden die Teile auch nicht gereinigt. Der Kundendienst wird vereinfacht durchgeführt, nicht mit aufwendigen Checklisten für alle Sicht-/Prüfungen. Dauer 20 Min., in Deutschland ca. 2 Std.. Das Radlager wechseln wurde nicht wie bei uns mit einer Presse demontiert und montiert, sondern mit dem Hammer und Schlagwerkzeugen aus- und eingetrieben.

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Fleischer:

Schulter und Schlegel werden zusammen geschnitten, hierbei erfolgt keine Fleischsortierung. Die Wurstwaren werden nach dem Befüllen in Schnecken gewickelt oder der gesamt Darm als Wurst abgebunden. Der Boden wird hier mit Sägemehl ausgestreut und gereinigt, in Deutschland wird nur mit Wasser gereinigt.

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Friseure:  

Foliensträhnen mit geknickter Folie wurde als neues Verfahren gelernt. In Deutschland wechselt man das Werkzeug öfter, wie Stilkamm, Farbpinsel, Schere, in Frankreich behalten sie mehr Werkzeuge in der Hand und sind dadurch etwas schneller.

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Bäcker:

Baquette-Backofen mit angebautem Einschiessbrett (Matrizze) kennengelernt. Umsetzten der Baquettes für die Teiggare in großen Tüchern als Schutz vor dem Austrocknen. Einschneiden der Baquettes mit einer Rasierklinge (ungeschützt). Gröberes Meer-Salz führt zu einer grobporigen Struktur des Baquettes.

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Maler:

Die bereitgestellten Werkzeuge und Materialien entsprachen nicht dem deutschen Standard, so dass die Arbeiten auch nur bedingt mit der gewünschten Qualität ausgeführt werden konnten. Die sehr vereinfachte Arbeitsvorbereitung führte immer wieder zu Arbeitsunterbrechungen.

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Insgesamt konnten die Lehrlinge einen guten Einblick in die Produktpalette und der Arbeitsorganisation der Betriebe sowie auch der Lebensweise der Menschen in Südfrankreich erhalten.



Die zwei Wochen waren angefüllt mit Erlebnissen und Besichtigungen. Fussballspiel in Nevian, Sightseeing in Narbonne mit der Kathedrale, der Markthalle und einer kleinen Bierbrauerei, die eine Besonderheit in Europas wahrscheinlich größter Weinregion, dem Languedoc-Roussillon darstellt.  Der Empfang im Rathaus von Lezignan mit den Wirtschaftsvertretern  enthielt interessante Informationen zur Region.

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Eine leckere Paella gemeinsam mit dem Sportverein von Nevian ließ uns unsere Niederlage im Fußballspiel schnell vergessen.



Beim Besuch der Roquefort-Käserei durften wir erfahren, wie aus der Milch von 800.000 Schafen aus dem Umkreis von ca. 150 km der berühmte Roquefort-Käse gemacht wird. Die Juniorchefin erklärte uns die Entstehung der Grotten, in denen der Käse reifen muss, die einzelnen Schritte der Herstellung sowie das Ergebnis der unterschiedlichen Reifegrade in gutem Deutsch. Eine Käseprobe mit Gewürzbrot rundete die Exkursion ab.

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Die Besichtigung Europas größter Hängebrücke von Milau und der Multimedia-Vortrag im Informationszentrum der Brücke hat uns gezeigt, mit welch raffinierten Verfahren diese Brücke, deren Fahrbahnflächen aus Stahl gefertigt sind, gebaut wurde.

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Auf einer Muschel- und Austernfarm in Gruissan durften ebensolche verkostet werden und auch die Meeresschnecken wurden mit genügend Knoblauchsoße von den Lehrlingen probiert. Ein Besuch der Kathedrale von Narbonne, dem Kanal du Robin und der Römerstraße ermöglichte uns einen Blick in die mittelalterliche Geschichte des Landes.

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Eine Führung durch das CFAI mit unserem Betreuer Herrn Knapik zeigte welche Neuerungen und Modernisierungen im Bildungsbereich aktuell getätigt wurden. Ein neuer Nahrungs-Trakt für die Bäcker-, Konditoren-, Metzger- und Fleischerausbildung, ein Multimedia-Lehrsaal mit digitaler Kameratechnik, der große Kfz-Schulungsbereich mit Kfz-Technik und Karosseriebau sowie Lackiererei. IT-Lehrsäle und zuletzt die Friseurschule mit dem neuen Kosmetikbereich.

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Die Praktika wurden von den Lehrlingen mit Erfolg beendet, was in den Aussagen der Padrones am Abschiedsabend einstimmig zu vernehmen war. Die Pünktlichkeit und der Fleiß wurden genauso gelobt wie das Interesse an Produkten, Werkzeugen, Maschinen und Arbeitsverfahren. Somit war der diesjährige Lehrlingsaustausch insgesamt ein Erfolg.



Der Lehrlingsaustausch mit der Chambre de Metiers de l`Aude , bei dem bereits über 1500 Lehrlinge auf beiden Seiten das Handwerk, Land und Leute kennenlernen durften, wird durch die Handwerkskammern und dem Deutsch-Französischen-Jugendwerk gefördert.

Bayreuth, 15.09.2016/Dieter Opel   

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