Konjunktur IV. Quartal 2025Konjunktur im Handwerk: Abwärtstrend gestoppt
Bayreuth/Oberfranken. Das oberfränkische Handwerk bleibt der stabilisierende Faktor der Wirtschaftsregion Oberfranken. Trotz schwierigem Umfeld und fehlender wirtschaftspolitischer Unterstützung hält der Geschäftsklimaindex im vierten Quartal 2025 die 86 Punkte. „Wir liegen damit zwar nur knapp über dem Ergebnis des letzten Quartals 2024“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Matthias Graßmann. „Allerdings wurde dem seit zwei Jahren anhaltenden Abwärtstrend aktuell ein Ende gesetzt. Unsere Betriebe lösen dabei gerade mit viel Einsatz die Versprechen ein, für die das Handwerk steht: Stabilität und Sicherheit.“
Die Handwerkskammer wertet die Stagnation in der Geschäftsentwicklung der oberfränkischen Handwerksunternehmen dabei durchwegs als Lichtblick. „Bei der Bewertung muss die gesamtwirtschaftliche Lage berücksichtigt werden und auch der Fakt, dass das Handwerk seitens der Politik bislang keine Entlastung erfahren hat.“ Umso höher sei einzuschätzen, dass die Betriebe im vierten Quartal 2025 ihr Leistungsniveau gehalten und damit Arbeitsplätze vor Ort, in den Städten und Gemeinden, gesichert haben. „85 Prozent unserer Betriebe haben im vierten Quartal 2025 ihr Beschäftigungsniveau gehalten oder sogar ausgebaut“, betont HWK-Präsident Graßmann. „Damit setzen wir den Gegenpol zur gegenwärtigen Vorgehensweise und auch zur Stimmung. Wir hoffen, dass die Politik dies endlich realisiert und ihre Maßnahmen für die Wirtschaft im Schwerpunkt auf die kleinen und mittleren Unternehmen und das Handwerk legt.“
Indikatoren nähren vorsichtige Zuversicht
Zuversicht geben die weiteren Zahlen aus der Konjunkturerhebung, die die Handwerkskammer inzwischen vollständig digitalisiert und damit erfolgreich ausgebaut hat. „Wir sehen im Vergleich zum Jahresabschluss 2024 verbesserte Erwartungen. Außerdem haben sich bei einer gleichbleibenden Auslastung die Indikatoren bei den Auftragseingängen und bei der Beschäftigung verbessert. Und dies, obwohl die Umsatzentwicklung leicht negativ abgeschlossen hat“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der HWK, Reinhard Bauer. Er setze zudem darauf, dass die Bau- und Ausbauhandwerke ihre Talsohle durchschritten haben und die Lokomotive der oberfränkischen Handwerkskonjunktur wieder an Kraft gewinnt. „Wir sehen hier im Vergleich zum vierten Quartal 2024 eine leichte Erholung. Setzt sich diese 2026 fort, könnte dies Signalwirkung haben – auch hinsichtlich der Wirksamkeit erster politischer Maßnahmen.“
Um einen echten Umschwung zu schaffen, fordern die HWK-Verantwortlichen nun die Politik. „Wir rufen als Branche nicht nach Subventionen und staatlicher Hilfe. Wir erwarten allerdings, dass die Bundesregierung jetzt endlich Maßnahmen in den Blick nimmt, die das Handwerk von unnötigen Kosten entlastet oder zumindest nicht in seinem Tun behindert, wie es etwa beim Sonntagsbackverbot der Fall ist.“ Und weiter: „Wir brauchen eine Bürokratieentlastung, die bei den Betrieben im Alltag ankommt. Und wir brauchen schnell die Entlastung von der Unternehmenssteuer, die alle Unternehmensformen einbezieht.“
Einschätzungen aus den einzelnen Handwerkszweigen
- Die Geschäftslage im Bauhandwerk erholt sich im Vergleich zum Vorjahresquartal etwas. 4 % weniger Betriebe geben eine "schlechte" und 5 % mehr eine "gute" Einschätzung der Geschäftslage ab. Seit dem II. Quartal 2025 fällt die Einschätzung einer positiven („gut“ oder „befriedigend“) Geschäftslage jedoch um 7 %.
- Im Ausbauhandwerk steigt die positive Einschätzung um 5 % zum III. Quartal, fällt jedoch um 4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal.
- Im Bereich Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs erholt sich die Geschäftslage, nach einem Stimmungsabfall im III. Quartal (-5 %), im IV. Quartal wieder leicht um 3 % und bleibt damit auch 4 % über dem Wert des Vorjahresquartals.
- Nach leichter Euphorie in den Vorquartalen trübt sich die Geschäftslage im Kfz-Handwerk deutlich ein. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die positive Bewertung zwar 8 % höher, sinkt aber im Vergleich zu einem sehr starken III. Quartal 2025 um 13 %.
- Hohe Schwankungen zeigen sich im Nahrungsmittelhandwerk: Im Jahr 2024 lag der Unterschied zwischen dem III. und IV. Quartal bei +35 %, im Jahr 2025 jedoch bei -7 %. Damit steht der Handwerkszweig im Vergleich zum Vorjahresquartal mit -20 % deutlich schlechter da.
- Die Gesundheitshandwerke hatten in den beiden Vorquartalen keine negative Bewertung der Geschäftslage, im IV. Quartal 2025 sehen diese 8 % der Betriebe. Im Vergleich zu IV/24 wird die Geschäftslage jedoch um 4,5 % besser bewertet.
- Im Friseur- und Kosmetikhandwerk bleibt der Trend negativ. Im Vergleich zum III. Quartal (-2 %) schwächt sich die Entwicklung zwar ab, bleibt jedoch im Vergleich zum Vorjahresquartal (-12,5 %) deutlich sichtbar.
Bayreuth, 14. Januar 2026