Branchencheck-Schreiner_KU_2017_Schreiner Brack Matthias
Stephan Herbert Fuchs

Taktik, Strategie und Motivation - der Dreiklang für Erfolg

Branchencheck der HWK für Oberfranken zeigt Zukunftsperspektiven für Schreinerbetriebe auf

Bamberg/Kulmbach. „Man sollte dringend einmal …“. Wer kennt diesen Satz nicht? In Handwerksbetrieben fällt er wohl besonders oft. Deswegen sagt Matthias Brack, Schreinermeister und Inhaber der Firma Brack Wintergarten in Altusried, ganz klar: „Streichen sie diesen Satz aus ihrem Gedächtnis und aus ihrem Alltag.“ Beim sehr gut besuchten Branchencheck der Handwerkskammer für Oberfranken für Schreinerbetriebe in Bamberg und Kulmbach legte er seinen Berufskollegen ans Herz, Ziele klar zu formulieren und greifbar zu machen. "Dann klappt es auch mit Dingen wie Zeitmanagement oder Mitarbeiterbegeisterung und letztlich stellt sich auch der Erfolg ein."

Matthias Brack, Chef von 25 Mitarbeitern, hat den elterlichen Betrieb vor elf Jahren übernommen und liebt die bildhaften Vergleiche. Etwa den des Schäfers, der keine Zeit hat, einen Zaun zu bauen, weil er damit beschäftigt ist, immer wieder die Schafe zu fangen. Im Alltagsgeschäft bleibe vieles liegen, wenn man nicht zur Veränderung bereit ist, sagte Brack. Doch Veränderung bedeute eben auch, etwas anders zu machen und die Komfortzone zu verlassen.

Auch der Fußballvergleich bleibt nicht aus. Der Chef ist der Trainer und der müsse nicht alles können. Er müsse aber wissen, welcher seiner Spieler was kann und diesen dort einsetzen, wo er stark ist. „Jeder Mitarbeiter wird also an die Stelle gesetzt, wo er Höchstleistungen vollbringen kann“, so Brack. Das ist motivierend für den Mitarbeiter. Und erfolgreich für den Betrieb. Taktik, Strategie und Motivation - "das sind die Aufgaben des Trainers".

Fünf Thesen für die Zukunft

Am Ende seines Vortrages stellt Matthias Brack fünf Zukunftsthesen für das Schreinerhandwerk auf. Erster Punkt ist dabei die Strategieänderung von der Kostenführerschaft hin zur Service- und Innovationsführerschaft. Die große Menge an Aufträgen zum Top-Preis, das entspreche nicht mehr der Kundenstruktur. Daneben geht es dem Referenten um das, was er digitale Durchgängigkeit nennt. Bei allem, was mit dem PC zu tun hat sollten Schnittstellen geschaffen und parallele Systeme vermieden werden.  Am Ende müsse eine „digitale Bauakte“ stehen, in die auch Kunden, Lieferanten und andere Gewerke einbezogen werden. Ein weiterer Punkt der Zukunftsthesen ist es, Netzwerke zu schaffen und Empfehlungsmarketing zu betreiben. Kunden seien durchaus bereit, Geld zu investieren, wenn sie damit Zeit sparen, so Matthias Brack, der die Mitarbeiterzahl im eigenen Betrieb binnen elf Jahren von sechs auf 25 gesteigert hatte. Punkt vier seiner Zukunftsthesen lautete Regionalität. Auch hinter handwerklichen Produkten und Dienstleistungen stehe ein Gesicht. Das sollte man dem Kunden auch zeigen, etwa in Social-Media-Plattformen, mit denen für ein kleines Werbebudget eine große Reichweite erzielt werden kann.

Letzter und wichtigster Punkt der Zukunftsthesen: „Handwerk hat goldenen Boden“. Alles, was ein Rechner leisten kann, wird in Zukunft auch ein Rechner übernehmen. "Das ist völlig klar“, gesteht Matthias Brack ein. Viele Branchen werde das brutal treffen, ist der Schreinermeister überzeugt, das Handwerk und insbesondere das Schreinerhandwerk aufgrund seiner großen Individualität dagegen nur streifen.

"Wir stehen hinter dem, was wir tun"

Auch Johannes Lange, seit dem vergangenen Jahr Obermeister der Schreinerinnung Forchheim aus Ebermannstadt, rät seinen Berufskollegen, selbstbewusst am Markt zu agieren. „Wir stehen hinter dem, was wir tun“, behauptete er. Schreiner bildeten aus, stünden innerhalb der Gesellschaft ihren Mann und seien bereit, Verantwortung zu übernehmen. „Verkaufen wir uns da als Schreiner nicht manchmal unter Wert?“, fragte Lange, um sogleich selbst die Antwort zu geben. „Trauen wir uns doch zu, erfolgreich zu sein.“

Branchencheck_Schreiner_KU_Schreiner Lange Johannes
Stephan Herbert Fuchs

Der Obermeister hatte für seine Berufskollegen auch einige konkrete Tipps parat: Wer um Unterstützung durch Banken nachsuche, solle den Geschäftskundenbetreuer in den Betrieb eingeladen. "So können Sie zeigen, wo investiert werden muss und wo investiert wurde." In Sachen Nachfolgeregelung legte er den vielen Teilnehmern des Branchenchecks ans Herz, den Betrieb dann zu übergeben, wenn dieser tiptop da stehe. So werde Lieferanten und Kunden Kontinuität vermittelt.

Johannes Lange spricht sich auch für mehr Miteinander unter den Schreinerinnen und Schreinern aus. Mit Kollegen gemeinsam Messen zu besuchen, Fachexkursionen von Lieferanten mitzumachen oder sie dazu zu nehmen, wenn Grenzen deutlich werden - all das sollte selbstverständlich sein. Denn, so der Obermeister eindringlich: "Die Konkurrenz sitzt längst nicht mehr im Nachbarbetreib, sondern in Baumärkten und Möbelhäusern."

Reges Interesse und konzentriertes Arbeiten beim Branchencheck für Schreiner der HWK für Oberfranken.
Stephan Herbert Fuchs
Reges Interesse und konzentriertes Arbeiten beim Branchencheck für Schreiner der HWK für Oberfranken.

Bamberg/Kulmbach, 15. November 2017

Michaela Heimpel
Leitung Unternehmenskommunikation

Tel. 0921 910 166
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