Zwei Generationen arbeiten in der Mühle Hand in Hand (von links): Luisa Wiesneth, Vater Heinrich Wiesneth und Julia Wiesneth.
Wiesneth-Mühle besteht seit 300 Jahren in PommersfeldenMühle mit Tradition und Zukunft
Bereits seit 1723 ist die Mühle am Sambach in Pommersfelden in Besitz der Familie Wiesneth. Das Erfolgsrezept der Familie: „Das gute Zusammenspiel zwischen Jung und Alt“, bringt es Julia Wiesneth, Juniorchefin und Müllermeisterin auf den Punkt.
So beschreibt sie die Zusammenarbeit mit ihrer Schwester Luisa sowie mit ihrem Vater Heinrich, der seit 1980 als Geschäftsführer tätig ist. Als aktuell 11. Generation der Familie arbeiten Julia und Luisa Wiesneth seit zehn Jahren im Betrieb ihres Vaters Heinrich mit. Inzwischen betreiben die beiden „Mühlen-Schwestern“ auch selbständig einen zweiten Standort, an dem rein biologisch produziert wird.
Der Weg ins Müllerhandwerk war bei beiden unterschiedlich. Julia Wiesneth begann zunächst eine Banklehre und war im Ausland tätig. Sie kam für die Getreideernte zurück, bei der die ganze Familie noch heute zusammenhilft. Ihr Vater überzeugte sie davon, eine Müllerlehre zu machen und in der Mühle mitzuarbeiten. „Ich hab‘ mich hier gefunden“, stellt sie lachend fest. Inzwischen ist sie als Juniorchefin in alle Bereiche der Produktion und des Vertriebs eingebunden.
Luisa, die eine kaufmännische Lehre machte, betont:“ Die Mühle war immer Teil der Familie“. Daher stand für sie schon früh fest, dass hier ihre berufliche Zukunft liegt. Ihre Arbeit begeistert und beeindruckt sie bis heute: „Mir gefällt das Vielfältige, jeden Tag etwas zu produzieren, das man mit den Händen anfassen kann. Man sieht, was man geschaffen hat. Das finde ich toll.“ Dabei sorgt sie als Laborleitung dafür, dass die Qualität der Mehlprodukte höchsten Standards entspricht.
Doch nicht nur die Generationen ändern sich mit der Zeit, sondern auch der Familienbetrieb. Zunächst startete die Mühle als „Kundenmüllerei“. Landwirte brachten Getreide vorbei, welches dann gemahlen wurde. Doch als mit der Zeit immer weniger Menschen selbst backten, orientierte sich die Familie 1964 neu: Man begann als Handelsmüllerei Bäckereien im großen Stil zu beliefern. Mit immer größerem Erfolg. Heute beziehen 200 Bäckereien in einem Umkreis von 200 Kilometern die Produkte der Mühle. „Unsere Kunden sind neben Handwerksbäckereien aber auch industrielle Backbetriebe, der Großhandel, und auch Hobbybäcker und Pizzerien“, erklärt Julia Wiesneth, Müllermeisterin und Juniorchefin, stolz.
Erfolg durch enges Miteinander
Heute werden in der Mühle 200 Tonnen heimisches Getreide aus Roggen, Weizen und Dinkel am Tag zu 20 Mehlen ganz unterschiedlichen Typs vermahlen. Im Jahr kommt die Mühle so auf eine beachtliche Gesamtproduktion von 70.000 Tonnen.
Beeindruckend ist auch das Durchhaltevermögen und der Zusammenhalt der Familie Wiesneth - selbst unter den schwierigsten Umständen. So etwa im Jahr 1983 als ein Großbrand die Mühle beinahe vollständig zerstörte und ein Schaden von 2 Millionen DM entstand. „Das war ein Punkt, der uns vor die Frage gestellt hat, wieder aufzubauen oder aufzugeben“, erinnert sich Heinrich Wiesneth. „Aber unser Motto war schon immer: ‚Alles, nur nicht aufgeben!‘ “ Schon ein Jahr später wurde der Betrieb dank einer Meisterleistung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mithilfe von Gebrauchtmaschinen wieder aufgenommen.
Mit Technologie am Puls der Zeit
Das, was in den 1980ern noch Stand der Technik war (links), hat sich heute gewaltig verändert: die Walzenstühle gestern und heute.
Auch eine Offenheit für neue Technologien prägt die Familiengeschichte der Mühle. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, betont Heinrich Wiesneth. Dabei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Als Vater Heinrich bei der Mühle startete, gab es noch den klassischen Mühlstein und erste primitive Walzenstühle, durch die das Getreide zermahlen wurde.
Heute läuft der Mahlprozess mit vollautomatisierten Walzenstühlen ab. „Riffelwalzen zerteilen das Korn grob wie ein Messer und Glattwalzen zerkleinern es dann wie ein Mörser“, erklärt Julia Wiesneth den Prozess. Zudem steuert eine ausgereifte Computersteuerung die gesamte Produktion - von der Einlagerung des Getreides über die Reinigung und Aussortierung von Fremdkörpern, dem Mahlprozess bis zum Verpacken des Getreides, dem sogenannten „Absacken“. Das Stapeln der Mehlsäcke im Lager übernimmt schließlich ein Roboterarm mit Greifkopf.
Modernste Technologien sollen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Julia Wiesneth: „Jetzt ist es unsere Aufgabe, mit der neusten Technik in der Müllerei mitzugehen“. Dafür wird momentan in verschiedenen Etappen die gesamte Produktionslinie modernisiert. Und so ist man auch gut für die nächsten Generationen gut aufgestellt.