2021 II Geschäftsklimaindex

Oberfränkisches Handwerk atmet auf

Verbesserte Geschäftslage, Zurückhaltung bei Erwartungen - Umfrage der Handwerkskammer für Oberfranken unter 421 Betrieben mit 6.904 Beschäftigten

Oberfranken. Nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen setzen sich die Erholungstendenzen in der Handwerkskonjunktur fort und die oberfränkischen Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage wieder deutlich positiver als noch vor drei Monaten. „Es ist erfreulich, dass unsere Mitglieder an die konjunkturelle Frühjahresbelebung anknüpfen können und eine deutliche Verbesserung ihrer Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr vermelden“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Matthias Graßmann. So berichten in der aktuellen Konjunkturumfrage über die Hälfte der befragten Betriebe von einer guten Geschäftslage, weitere 35 Prozent weisen zumindest eine befriedigende Lage auf. „Damit bewegen wir uns konjunkturell zwar nicht auf Vorkrisenniveau, machen aber einen großen Schritt nach vorne“, so der Präsident weiter.

Im zweiten Quartal klettert der Geschäftsklimaindex von 111 auf 114 Punkte. Einen stärkeren Anstieg verhindert der noch zögerlich optimistische Blick in die Zukunft. „Trotz der guten Geschäftslage sind die Erwartungen der Betriebe für die kommenden Monate noch vorsichtig“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der HWK, Reinhard Bauer. „Die Sorge vor erneuten Beschränkungen aufgrund der Pandemie ist nicht verflogen.“ Zwar würden 12,5 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker mit einer Verbesserung der Konjunktur rechnen, ein ebenso großer Anteil befürchtet allerdings rückläufige Zahlen. „Aber“, so Bauer weiter, „die wichtigsten Indikatoren zeigen nach oben. Insbesondere bei Umsätzen und Auftragseingängen konnten die Betriebe deutlich zulegen.“ Erfreulich sei außerdem, dass sich die gute Einschätzung der Lage diesmal über die ganze Breite des oberfränkischen Handwerks erstrecke und sich nicht auf das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe beschränke. Der Hauptgeschäftsführer: „Zwar bleiben diese Gewerke weiterhin das Zugpferd der Handwerkskonjunktur, der Aufschwung kommt aber dieses Quartal in allen Handwerkszweigen an.“

Preissteigerungen und Materialengpässe

Trotz der guten Zahlen aus der aktuellen Umfrage warnt HWK-Präsident Graßmann, der selbst als Unternehmer in der Gruppe der Bau- und Ausbaugewerbe tätig ist, vor voreiliger Euphorie. Denn nicht nur erneute Corona-Beschränkungen, sondern auch die aktuelle Situation auf den Rohstoffmärkten könne zur ernsten Konjunkturbremse werden. „Die aktuell vorhandene Materialknappheit zieht sich durch alle Bereiche – von Holz über Metall bis zu Kunststoffprodukten. Die beschränkten Ressourcen führen einerseits zu extremen Preiserhöhungen, aber vor allem auch zu enormen Verzögerungen. Hält dieser Trend an, kann er zu einer echten Bremse werden, obwohl die Auftragsbücher, vor allem im Bau und Ausbau, gut gefüllt sind.“ Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage bestätigen die Einschätzung des Präsidenten: 80 Prozent der Befragten klagen über gestiegene Preise im Einkauf. Graßmann: „Die Politik muss all ihre verfügbaren Hebel in Bewegung setzen, um dieser komplexen Entwicklung auf den Rohstoffmärkten zu begegnen.“

Einschätzung aus einzelnen Handwerkszweigen

2021 II Handwerkszweige

  • Die Konjunktur der Bau- und Ausbauhandwerke ließ sich auch im II. Quartal nicht bremsen. Die Geschäftslage in diesen Gewerken ist weiterhin hervorragend (92 % bzw. 96,5% gut/befriedigend). Materialengpässe könnten allerdings zum Konjunkturdämpfer werden.
  • Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs haben aufgrund steigender Aufträge in der Industrie ihre wirtschaftliche Situation deutlich verbessern können. Über 80 % sind mit der Geschäftslage zufrieden.
  • Die Lockerungen der Corona-Beschränkungen haben dem Kfz-Handwerk wieder etwas Auftrieb verschafft. Mit 43,5 % ist der Anteil der Betriebe, die gestiegene Umsätze im II. Quartal vermeldeten, in dieser Gruppe am größten.
  • Auch bei den Nahrungsmittelhandwerken hat sich die Geschäftslage weiter etwas verbessert. Allerdings klagt ein Viertel immer noch über gesunkene Umsätze verglichen zum Vorquartal. Die Erwartungen für das kommende Quartal sind aber überwiegend positiv: 88 % rechnen mit einer guten oder befriedigenden Geschäftsentwicklung.
  • Deutlich erholt hat sich die Konjunktur in den Gesundheitshandwerken. 88 % bewerten die Geschäftslage als gut oder befriedigend.
  • Im Vergleich zum Jahresbeginn hat sich die Lage der Friseure und Kosmetiker aufgrund der Öffnungen wieder entschärft. Die Umsatzausfälle sind aber nicht rückgängig zu machen. Dementsprechend zeigt sich die Geschäftsentwicklung ähnlich wie im Vorjahr. Immerhin weisen fast zwei Drittel eine zumindest befriedigende Geschäftslage auf (62,5 %)

Oberfranken, 14. Juli 2021



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